Digitale Barrierefreiheit: BFSG, EAA, BGG, BITV 2.0, WCAG und PDF/UA im Überblick

BFSG

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpflichtet Unternehmen in bestimmten Bereichen zur Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen.

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EAA

Der European Accessibility Act schafft europaweit einheitliche Anforderungen an die Barrierefreiheit bestimmter Produkte und Dienstleistungen.

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BGG

Das Behindertengleichstellungsgesetz regelt die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und die Barrierefreiheit im Bereich des Bundes.

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BITV 2.0

Die BITV 2.0 konkretisiert die Anforderungen an die digitale Barrierefreiheit öffentlicher Stellen des Bundes.

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WCAG 

Die WCAG definieren international anerkannte Anforderungen für barrierefreie digitale Inhalte.

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PDF/UA

PDF/UA ist der internationale Standard für die technische Umsetzung barrierefreier PDF Dokumente.

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Welche Anforderungen gelten für digitale Inhalte und Dokumente?

Die rechtlichen Vorgaben zur digitalen Barrierefreiheit sind vielfältig. Je nach Organisation, Angebot und Anwendungsbereich können unterschiedliche Gesetze und Standards relevant sein. Besonders häufig begegnen Dir dabei BFSG, EAA, BGG, BITV 2.0, WCAG und PDF/UA.

Wir erklären, wie die verschiedenen Regelwerke zusammenhängen und was sie für barrierefreie Dokumente bedeuten.

BFSG: Barrierefreiheit für Unternehmen

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt den europäische European Accessbility Act (EAA) in deutsches Recht um. Es legt Anforderungen an die Barrierefreiheit bestimmter Produkte und Dienstleistungen fest, die für Verbraucher angeboten werden.

Für wen gilt das BFSG?

Das BFSG gilt seit 28. Juni 2025 im B2C-Bereich – für Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen an Verbraucher anbieten. Betroffen sind Hersteller, Importeure, Händler und Dienstleister, egal ob Großkonzern oder KMU, sofern ihre Angebote unter die im Gesetz definierten Kategorien fallen. B2B ist nicht erfasst.

Im Kern betrifft es vor allem digitale Angebote: Websites und Online-Shops, die Verbrauchern den elektronischen Geschäftsverkehr ermöglichen. Daneben fallen auch bestimmte Hardware (Computer, Smartphones) und Dienstleistungen wie Telekommunikation oder Bankgeschäfte darunter.

Kleinstunternehmen (unter 10 Beschäftigte und unter 2 Mio. € Jahresumsatz) sind bei Dienstleistungen ausgenommen, nicht aber bei Produkten, die dem Produktsicherheitsrecht unterliegen. Verstöße können mit Bußgeldern bis 100.000 € sowie Abmahnungen und Verbandsklagen geahndet werden.

Welche Rolle spielen PDF-Dokumente?

PDF-Dokumente wie Rechnungen oder Produktinformationen können Bestandteil einer Dienstleistung oder eines digitalen Angebots sein und damit für die praktische Umsetzung der Barrierefreiheit relevant werden.

Wichtig: Das BFSG schreibt nicht pauschal vor, dass jedes PDF eines Unternehmens barrierefrei sein muss. Entscheidend ist, ob das konkrete PDF mit einem vom BFSG erfassten Produkt oder einer Dienstleistung zusammenhängt. 

EAA: Der europäische Rahmen

Der European Accessibility Act (EAA) ist eine europäische Richtlinie zur Barrierefreiheit bestimmter Produkte und Dienstleistungen. Ziel ist es, europaweit einheitlichere Anforderungen zu schaffen und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu verbessern.

Was regelt der EAA?

Der EAA legt Barrierefreiheitsanforderungen für verschiedene Produkte und Dienstleistungen fest. Die Richtlinie wird von den einzelnen Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt. In Deutschland erfolgt die Umsetzung insbesondere durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG).

BGG: Barrierefreiheit auf Bundesebene

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) bildet einen wichtigen rechtlichen Rahmen für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und die Barrierefreiheit im Bereich des Bundes.

Für wen gilt das BGG?

Das BGG richtet sich insbesondere an öffentliche Stellen des Bundes. Es soll Menschen mit Behinderungen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.

Was bedeutet das BGG für die digitale Barrierefreiheit?

Das BGG enthält Vorgaben zur Barrierefreiheit im Bereich der Informationstechnik. Öffentliche Stellen des Bundes müssen ihre digitalen Angebote grundsätzlich so gestalten, dass sie auch von Menschen mit Behinderungen genutzt werden können.

Dazu gehören unter anderem Websites und mobile Anwendungen sowie elektronisch unterstützte Verwaltungsabläufe und grafische Benutzeroberflächen.

Welche Rolle spielen Dokumente?

Digitale Dokumente können Bestandteil eines öffentlichen digitalen Angebots oder Verwaltungsprozesses sein. Für ihre konkrete Umsetzung spielen deshalb die entsprechenden Anforderungen und technischen Standards der digitalen Barrierefreiheit eine wichtige Rolle.

BITV 2.0: Digitale Barrierefreiheit im Bund

Die Barrierefreie Informationstechnik Verordnung (BITV 2.0) konkretisiert die Anforderungen an die digitale Barrierefreiheit öffentlicher Stellen des Bundes.

Was regelt die BITV 2.0?

Die BITV 2.0 enthält Anforderungen an die barrierefreie Gestaltung von Informationstechnik und legt unter anderem fest, welche technischen Standards bei der Umsetzung berücksichtigt werden müssen.

Welche digitalen Angebote sind betroffen?

Die Anforderungen beziehen sich unter anderem auf Websites, mobile Anwendungen und weitere digitale Angebote öffentlicher Stellen des Bundes. Auch digitale Dokumente können Bestandteil eines solchen Informationsangebots sein.

Welche Rolle spielen WCAG und EN 301 549?

Für die praktische Umsetzung sind technische Standards wie die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) und die europäische Norm EN 301 549 besonders relevant.

Sie schaffen eine Verbindung zwischen den rechtlichen Vorgaben und den technischen Kriterien, anhand derer digitale Barrierefreiheit umgesetzt und geprüft werden kann.

WCAG: Technische Anforderungen verstehen

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind internationale Richtlinien des W3C für die Barrierefreiheit digitaler Inhalte. Sie sind kein deutsches Gesetz, bilden aber eine wichtige technische Grundlage für digitale Barrierefreiheit.

Welche Prinzipien stehen hinter den WCAG?

Die WCAG basieren auf vier grundlegenden Prinzipien:

Wahrnehmbar
Informationen und Benutzeroberflächen müssen auf unterschiedliche Weise wahrnehmbar sein.

Bedienbar
Navigation und Benutzeroberflächen müssen bedienbar sein.

Verständlich
Informationen und Bedienung müssen verständlich sein.

Robust
Digitale Inhalte müssen zuverlässig mit unterschiedlichen Benutzeragenten und assistiven Technologien funktionieren.

Jedes Prinzip enthält mehrere Richtlinien (Guidelines) – insgesamt 13 –, die den jeweiligen Bereich konkretisieren (z. B. unter "Wahrnehmbar": Textalternativen, zeitbasierte Medien, Anpassbarkeit, Unterscheidbarkeit).

Zu jeder Richtlinie gibt es wiederum Erfolgskriterien (Success Criteria) – das sind die konkret prüfbaren, technischen Anforderungen, denen jeweils eine Konformitätsstufe (A, AA oder AAA) zugeordnet ist. Bei WCAG 2.1 sind das rund 78 Erfolgskriterien, bei WCAG 2.2 sind es noch mehr.

Gilt WCAG auch für PDF-Dokumente?

Die WCAG sind auch bei digitalen Dokumenten anwendbar. Für PDFs gibt es zusätzlich den eigenen technischen Standard PDF/UA, der die Besonderheiten des PDF-Formats berücksichtigt.

PDF/UA: Der Standard für barrierefreie PDFs

PDF/UA steht für PDF for Universal Accessibility und ist der internationale Standard für die technische Umsetzung barrierefreier PDF Dokumente. Die Norm basiert auf ISO 14289.

Was beschreibt PDF/UA?

PDF/UA legt technische Anforderungen an die Struktur eines barrierefreien PDF Dokuments fest. Inhalte müssen so ausgezeichnet sein, dass assistive Technologien ihre Bedeutung und Reihenfolge zuverlässig erkennen können.

Dazu gehören beispielsweise:

  • eine sinnvolle Tag-Struktur
  • eine korrekte Lesereihenfolge
  • strukturierte Überschriften
  • korrekt ausgezeichnete Tabellen
  • Alternativtexte für relevante Bilder
  • geeignete Sprach- und Metadaten

PDF/UA 1 und PDF/UA 2

PDF/UA 1
ISO 14289 1:2014 basiert auf PDF 1.7 und definiert Anforderungen für barrierefreie PDF Dokumente.

PDF/UA 2
ISO 14289 2:2024 basiert auf PDF 2.0 und erweitert die Anforderungen unter anderem im Bereich der Dokumentstruktur und von Tagged PDF.

Wie hängen WCAG und PDF/UA zusammen?

PDF/UA ist kein Ersatz für WCAG, sondern eine Konkretisierung für das PDF-Format. WCAG ist formatunabhängig und definiert allgemeine Prinzipien und Erfolgskriterien für digitale Inhalte; PDF/UA übersetzt diese Anforderungen in die technischen Gegebenheiten von PDF, also z. B. wie Tags, Lesereihenfolge, Alt-Texte, Struktur oder Sprachauszeichnung konkret in der PDF-Syntax umzusetzen sind.

In der Praxis ergänzen sich beide: Ein WCAG-konformes PDF-Dokument sollte auch PDF/UA-konform sein, weil PDF/UA im Grunde die technische Erfüllung vieler WCAG-Erfolgskriterien für dieses spezielle Format vorschreibt.

Kann PDF/UA automatisch geprüft werden?

Viele technische Anforderungen von PDF/UA lassen sich automatisiert überprüfen. Andere Aspekte erfordern eine menschliche Bewertung, insbesondere wenn Kontext, Bedeutung oder die tatsächliche Nutzbarkeit eines Dokuments beurteilt werden müssen.

Eine umfassende Prüfung kombiniert deshalb automatisierte Prüfungen mit menschlicher Expertise. Der PDF Accessibility Checker PAC unterstützt Dich dabei mit klassischen automatisierten Prüfungen und KI gestützten Analysen, um auch semantische Aspekte der PDF Barrierefreiheit besser zu beurteilen.

Wie hängen die Anforderungen zusammen?

Gesetze und Standards zur digitalen Barrierefreiheit erfüllen unterschiedliche Funktionen. EAA und BFSG schaffen den europäischen beziehungsweise deutschen rechtlichen Rahmen für bestimmte Produkte und Dienstleistungen. BGG und BITV 2.0 regeln die Barrierefreiheit im Bereich der öffentlichen Stellen des Bundes.

Für die technische Umsetzung spielen Standards wie WCAG, EN 301 549 und PDF/UA eine wichtige Rolle. Sie helfen dabei, Anforderungen konkret umzusetzen und die Barrierefreiheit digitaler Inhalte und Dokumente zu beurteilen.

Für PDF-Dokumente bedeutet das: Rechtliche Anforderungen und technische Standards müssen gemeinsam betrachtet werden. Ein barrierefreies PDF sollte nicht nur rechtliche Standards erfüllen, sondern auch tatsächlich zugänglich und nutzbar sein.

Barrierefreie Dokumente mit axes4 umsetzen

Erstellen

Mit axesWord und axesSlide erstellst Du barrierefreie Word- und PowerPoint-Dokumente bereits während der Erstellung.

Prüfen

Mit PAC kannst Du PDF Dokumente auf zahlreiche technische Anforderungen der PDF Barrierefreiheit prüfen.

Optimieren

Mit axesPDF kannst Du PDF Dokumente analysieren, bearbeiten und für die Barrierefreiheit optimieren.

Automatisieren

Mit axesFlip lässt sich die Erstellung barrierefreier PDFs in automatisierte Dokumentenprozesse integrieren, während axesPAC die automatisierte Prüfung der PDFs ermöglicht. So können Barrierefreiheit und Prüfung direkt in bestehende Systeme und Dokumentenprozesse integriert werden.

Fragen?

Du bist unsicher, welche Anforderungen für Deine digitalen Dokumente gelten oder wie Du sie praktisch umsetzen kannst? Unser Team hilft Dir gerne weiter.

Email: office (at) axes4.com

Unsere Mitgliedschaften & Partnerschaften

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